wort|glitzern

„Ihr habts ja einen Vogel!“

..sagt er, der Beckenbauer. Und er hat recht.
Lieber SPIEGEL, ihr wart immer „meine“ Zeitung. Ich weiß noch, wie ich während der Barschel-Affaire gezittert habe, nachdem Barschel seine – beinahe jeden überzeugende – „Ehrenwort“ Pressekonferenz gegeben hatte. Ich dachte: „Oh, oh SPIEGEL, wenn ihr euch da bloß nicht verrannt habt.“ Die „Stern“ Katastrophe mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern lag noch nicht solange zurück und ich wollte nicht noch ein Medium verlieren, dem ich vertraute.
Und jetzt kommt ihr mit eurer neuesten Enthüllung: Die WM-Vergabe 2006.

Was ist das denn? Dieses mal „schmeckt“ es irgendwie nicht gut, Häme triefend und selbstgerecht.

Geschwafel von „Ehrenmann“ und „Ehrenamt“, Rücktrittsforderungen, basierend auf….ja, auf was eigentlich?

Eure Chronologie, 24 Stunden Zeit habt ihr dem DFB für eine Reaktion gegeben. Und die haben es tatsächlich gewagt, nicht alles stehen und liegen zu lassen, bloß weil sich der SPIEGEL gemeldet hat!

In jedem 2. Satz euer Mantra-mäßiges wiederholen vom angeblichen „Ende des Sommermärchens“. Quatsch noch und noch.
Das Sommermärchen hat mit der 6 Jahre zuvor erfolgten WM Vergabe aber auch so gar nichts zu tun, schaut mal in eure eigenen Archive.

Widersprechen und dementieren Beckenbauer, Schily, Niersbach oder Netzer, schwadroniert ihr „Die Reihen schließen sich„.

Diese Kampagne erinnert an ein Haberfeldtreiben.

Auftritt eures Mitarbeiters bei Sky90: Ein Verschwörungstheoretiker. Faselt wirr und zusammenhanglos von „Tribunal“, von „Vorführung“, vom „Honorarprofessor“, von….ach, ich hab’s nicht verstanden. Wie wohl kaum jemand.
Scheint er von eigener Wichtigkeit durchdrungen, hat es aber immerhin tatsächlich geschafft den Patrick Wasserziehr wie einen Vorzeigejournalisten aussehen zu lassen.

Und, was wäre denn, wenn ihr Recht hättet? Haben sich Beckenbauer & Co. persönlich bereichert, haben sie irgendwem geschadet?
Nö.
Das Geld war gut angelegt, es wurde (falls überhaupt zutreffend) lediglich getan, was immer getan wird, wenn es um die Vergabe von Großereignissen geht: Geld fließt an die Vertreter bestimmter Länder, deklariert als Nachwuchsförderung oder Entwicklungshilfe oder was auch immer. Das hat Tradition. Die Europäer untereinander verfahren nach dem „Eine Hand wäscht die andere“-Prinzip: Stimmst du für mich, kriegst du meine Stimme für deine Bewerbung XXX. Letzteres scheint für euch nicht fraglich oder?

Ihr seid zum kleinen Köter geworden, der anderen so furchtbar gerne an’s Bein pinkelt.

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